Geschichte und Entwicklung

Die Hauptstrasse seinerzeit..

 

Archäologische Funde beweisen, dass das heutige Gemeindegebiet von Schattendorf schon in der Jungzeit (Neolithikum) besiedelt war. Bereits Ende des vorigen Jahrhunderts wurde bei einer Bachregulierung im Ortsgebiet ein neolethischer Topf gefunden, der sich heute im Museum Sopron befindet.

 


Dreißig Grabhügel der Hallstattkultur befinden sich im sogenannten "Hadspitzwald" und werden im Volksmund als "sieben Bergerl" oder "sieben Zwergerl" bezeichnet. Vier Hügel wurden schon 1892 ausgegraben, ein weiterer im Jahr 1924. Es handelt sich um Brandbestattungen mit zahlreichen tönernen Trankbehältern und Geschirrsätzen, die den Toten, gefüllt mit Speise und Trank, ins Jenseits mitgegeben wurden.
Ein Eisenschwert und eine lange eiserne Lanzenspitze, die an der Strecke der Raab-Ödenburger-Ebenfurter Eisenbahn entdeckt wurden, stammen aus der keltischen Laténezeit. In der alten Mauer um die Kirche sind zwei hochinteressante römische Grabsteine eingemauert: Der außen eingemauerte Stein trägt ein abgemeisseltes, aber trotzdem noch erkennbares Portrait eines Mannes, der innen eine mehrzeilige Inschrift. Ihre Übersetzung lautet: Caisus Statius Gratus, der freigelassene Sklave des Caius, verstorben im Alter von 35 Jahren, liegt hier begraben. Statius Severus, Hauptmann der 13. Legion, sein ehemaliger Herr, hat das Grabmal errichtet. Weitere römische Funde, Gräber und ein Depot von eisernen Agrargeräten, stammen aus der Gegend der Zollhausstraße. Auch das Lüßkreuz an der Straße nach Baumgarten ist aus römischen Säulenteilen gebaut.

Lüßkreuz Lüßkreuz

Um die Mitte des 12. Jh.s besaß ein gewisser Adalbert einen Teil von Schattendorf. In seinem Testament vermachte er sein Gut "Suesla" dem Benediktinerstift Martinsberg. Da aber später in Schattendorf kein Besitz des Stiftes Martinsberg nachweisbar ist, scheint das Testament entweder nicht rechtswirksam geworden zu sein, oder die Urkunde bezog sich auf einen anderen Ort. Die erste gesicherte Nennung von Schattendorf ("Suslani") als Nachbarort von Agendorf stammt aus dem Jahr 1225.

Anno 1243 verlieh König Bela IV. den Grafen Simon und Bertrand von Mattersdorf für ihre Verdienste während des Mongolensturms u.a. den Besitz Schattendorf (terram Saderndorf). In der Folge nahmen die Mattersdorfer Grafen von Schattendorfer Adeligen allmählich auch die anderen Teile des Ortes in Besitz, so dass dieses im 14. Jh. schließlich an die Grafschaft Forchtenstein angegliedert wurde.
 
1494 erwarb der Hauptmann der Grafschaft Forchtenstein, Alexander Schiffer von Freiling den Schattendorfer Edelhof. Durch den zusätzlichen Ankauf kleinerer Güter baute der Ritter Schiffer nun die Kleinherrschaft "Petlau" auf mit dem Sitz in Sigleß. Das Schicksal Schattendorfs war ab diesem Zeitpunkt eng mit dem von Sigleß verbunden. Um die Wende des 15. zum 16. Jh. bestand der Ort aus zwei Teilen; der eine wurde "auf dem Deutschen", der andere, größere, "auf dem Ungarischen" genannt. Diese Zweiteilung des Dorfes geht zweifelsohne auf die hochmittelalterliche grundherrschaftliche Zersplitterung des Dorfes zurück. Der Siedlungsstand war sehr gut.
 
Die Türkenkriege der Jahre 1529 und 1532 hat der Ort trotz seiner Nähe zu Ödenburg ohne dauernde Schädigung überstanden. Darauf weist die Verbesserung des Siedlungsstandes in den folgenden Jahrzehnten hin, obwohl in Schattendorf keine Einsiedelung von Kroaten erfolgte. Mit den im Nachbarort Baumgarten ansässigen Kroaten gerieten die Schattendorfer bald in schwere Konflikte: die vielen Jahre andauernden Streitigkeiten um Wälder, Wiesen und Weiden führten einige Male zu "Rumer" (Unruhen) und "Pluetvergiessen". Die Grenzkonflikte wurden schließlich durch eine von der Grafschaft Forchtenstein entsandte Kommission bereinigt. 1571 gelangte Schattendorf unter die Herrschaft der Niederösterreichischen Kammer. Durch die milde Verwaltung der von ihr eingesetzten Hauptmänner und Rentmeister erlebte der Ort im folgenden halben Jahrhundert eine Periode großer Entwicklungen. Durch den Bau neuer Häuser wuchs die Siedlung stark an, die Felder, Wiesen und Weingärten wurden durch Rodungen stark ausgeweitet.

Pfarrkirche

Während die Aufstände des Siebenbürger Fürsten (1605 Bocskay, 1620 Bethlen) in Sigleß und der übrigen Kleinherrschaft Petlau großes Leid über die Bevölkerung brachten, dürfte in Schattendorf kein besonders hoher Blutzoll zu verzeichnen gewesen sein.1622 fiel Schattendorf mit der Grafschaft Forchtenstein in den Pfandbesitz des Nikolaus Esterházy, 1626 wurde es sein Eigentum. Das Forchtensteiner Urbar aus 1675 weist für die Siedlung Schattendorf seit 1589 ein sehr großes Wachstum aus; die Vergrößerung der Häuserzahl bewirkte eine Zersplitterung des Sessionsbesitzes und somit eine merkliche Verschlechterung der sogenannten Verhältnisse der Dorfbevölkerung, die aber wiederum mit einer Verbesserung der kommunalen Einrichtungen einherging.
 
In der Folgezeit hemmten die ungeheuren Belastungen durch die Türken- und "Kuruzzenkriege" (1685,1704-1708), durch Pest und Tierseuchen, Feuersbrünste und Unwetterkatastrophen die Entwicklung der Gemeinde und ließen bis in die Biedermeierzeit nur mehr ein bescheidenes Siedlungswachstum zu. Die schwersten Katastrophen für den Ort waren die Feuersbrünste der Jahre 1834, 1839 und 1841, denen jeweils fast das ganze Dorf zum Opfer fiel. Neben diesen Schrecknissen musste Schattendorf auch die Unannehmlichkeiten während der Napoleonischen Kriege (1804-1809) und zur Zeit der Choleraepidemie erleiden.
 
Das im Revolutionsjahr 1848 eingeführte Wahlrecht zum Reichstag bewirkte die Aufteilung des Staatsgebiets in Wahlbezirke. So entstand der Wahlbezirk Mattersdorf mit 34 Gemeinden, darunter auch Schattendorf. Nach der Niederschlagung der Revolution und der Kapitulation Ungarns im August 1849 folgte bis 1854 der militärische Belagerungszustand. Die Gemeinde hatte dabei als Quartiergeber für kaiserliche Truppen zu fungieren. 1853 wurde die Durchführung der Grundentlastung verfügt; die ehemaligen Untertanen erhielten nun das volle Eigentumsrecht über die von ihnen bisher genutzten Urbarialgrundstücke. In diesem Zeitraum, als die für die Bevölkerung wichtigen Grundbesitzfragen gelöst wurden, wurde Schattendorf immer wieder von verheerenden Bränden heimgesucht.

Der Ausgleich von 1867 bewirkte den letzten verwaltungspolitischen Umbau der Habsburger Monarchie. 1870/71 wurde jene Bezirkseinteilung getroffen, die bis 1921 Bestand hatte. Schattendorf verblieb dabei im Bezirk Ödenburg. Seit 1898 durfte die Gemeinde nur mehr den vom Innenministerium in der Staatssprache festgelegten amtlichen Namen "Somfalva" führen. 1901 wurde in Schattendorf eine Pfeifenfabrik errichtet.

Im Sommer 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Bis zum Kriegsende im Herbst 1918 waren in Schattendorf 93 Gefallene zu beklagen. Nach dem Zerfall der Habsburger Monarchie stellte sich die Frage nach der künftigen Staatszugehörigkeit des deutsch-westungarischen Raumes. Während 1919 in Paris die Friedensverträge ausgehandelt wurden, übernahm ein Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat die Gemeindevertretung.
 
Deutschwestungarn, somit auch Schattendorf, wurde der neuen Republik Österreich zugesprochen; die endgültige Übergabe konnte aber, verzögert durch den Widerstand ungarischer Freischärler, erst Ende 1921 vollzogen werden. In dieser Anschlusszeit kam es auch zu Gefechten zwischen der österreichischen Gendarmerie und ungarischen Freischaren. Bei der nun folgenden Neueinteilung in politische Bezirke des Jahres 1922 wurde Schattendorf vorerst dem Bezirk Eisenstadt zugewiesen, bald darauf aber dem Bezirk Mattersburg zugeteilt.
 
Die Zwischenkriegszeit war von politischen Meinungsverschiedenheiten, die oft in Gehässigkeiten ausarteten, und wirtschaftlicher Not der Ortbevölkerung geprägt. Die tragischen Ereignisse des 30. Januar 1927, die als die sogenannten "Schüsse von Schattendorf" in die Geschichte eingingen, führten in der Folge zu den das demokratische Klima in Österreich vergiftenden Ereignissen, um den Justizpalastbrand und erweiterten die Kluft zwischen den späteren Bürgerkriegsparteien. An jenem schicksalhaften Tag kamen in Schattendorf zwei Menschen ums Leben.

 


Aus den Jahren des Zweiten Weltkriegs liegen in der Gemeinde keine schriftlichen Unterlagen auf. Der gegen Ende des Krieges gebildete Volkssturm kam nicht zum Einsatz, die russischen Truppen marschierten ohne Kampfhandlungen in Schattendorf ein. Durch die Kriege hatte die Gemeinde rund 120 Gefallene und 65 Vermisste zu beklagen. In der ersten Zeit nach Kriegsende standen die Sicherstellung der Ernte und die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt. Wichtig war der Auf- und Ausbau der Infrastruktur; kommunale Schwerpunkte waren die Errichtung der Hauptschule (1966) und eines Sport- und Freizeitzentrums mit modernem Schwimmbad. Für die effiziente Verwaltung war die Errichtung eines Zentralamtsgebäudes notwendig, welches 1971 feierlich eröffnet werden konnte. Mit einigen benachbarten Gemeinden wurde 1971 der Müllabfuhrverband errichtet; 1976 wurden die Müllabfuhr und Müllbeseitigung dem regionalen Müllverband übergeben. Weiter entstand 1975/76 eine Zentralkläranlage in Schattendorf. 1987 wurde das Schwimmbecken im Freizeitzentrum solarbeheizt. 1991 erfolgte die Generalsanierung der Volksschule, 1995 wurde ein Gemeindekindergarten errichtet. Eine wichtige Einrichtung im Umweltbereich ist das Altstoffsammelzentrum, das 1997 eröffnet wurde. Im selben Jahr erfolge der Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens, das der Landschaft umwelt- und naturschonend angepasst wurde. Auch die Renovierung des Zentralamtsgebäudes sowie die Neugestaltung des Vorplatzes verbesserten die Infrastruktur des aufstrebenden Ortes zusehends, um als Gemeinde mit hoher Lebensqualität zu bestehen.
Blick auf Schattendorf heute

Schattendorf heute